Warum wir unsere Zeit als so unglaublich wertvoll empfinden, aber nichts Besonderes daraus machen. Warum wir to-do-Listen nur für Aufgaben, Beruf und Familie, aber nicht für unsere Auszeiten erstellen. Warum wir das Gefühl haben, Wunder wirken zu müssen, um nur fünf Minuten Ruhe in den Alltag zu integrieren. Und das alles, obwohl uns die Zeit zumindest während der Dauer unseres Lebens ja völlig unbegrenzt und kostenfrei zur Verfügung steht.

 

Heute hatte ich einen mehr oder weniger spontanen Zahnarzttermin. Das sind die Termine, für die ich mir sofort Zeit nehme, zumal in diesem Fall die Schmerzen überhandgenommen haben. Eine Praxis für deren Marketing ich selbst tätig bin und so oft hinter die Kulissen sehen durfte, dass ich mich dort wirklich zu 100% gut aufgehoben fühle. (Wie es ist, beim Kunden Kunde oder Patient zu sein, darüber werde ich bei Gelegenheit auch noch schreiben.) Und dennoch: es ist Zeit, die ich mit etwas tendenziell eher Unangenehmen fülle.

Das Interessante dabei ist, dass wir es problemlos schaffen, uns für solche Themen Zeit zu nehmen. Beruf oder Familie: Sobald es darum oder vermeintlich nicht aufschiebbare Dinge geht, selbst wenn sie eher negativ sind, schaffen wir es, uns umgehend Zeit freizuschaufeln. Oder sagen wir es, wie es ist: uns die Zeit einfach zu nehmen.

 

„Weißt du wie lange dein Leben dauert?“

 

24 Stunden am Tag. 7 Tage die Woche. Zeit ist kostenlos.

Du hast dafür nichts bezahlt. Und sie steht uns während der Dauer unseres Lebens unbegrenzt zur Verfügung.

Das ist doch die gute Nachricht. Wir haben so viel Zeit! Kostenfrei und lebenslang. Und das ist die Krux. Lebenslang. Wie lang ist das? Das weiß letztendlich keiner von uns. Und das macht die Zeit doch wiederum erstaunlich wertvoll.

Warum nehmen wir sie uns dann nicht für die schönen Dinge? Zeit für uns? Zeit für mich? Warum nehmen wir uns auf der anderen Seite aber wie selbstverständlich Zeit für Arzttermine? Weil es um die Gesundheit geht? Unter anderen Umständen bräuchten wir den Arzt vielleicht gar nicht. Würden wir die Zeit besser – für uns – nutzen.
Warum erkaufen wir uns für viel Geld ein Wellness-Wochenende, wo wir uns doch ganz kostenfrei unsere Zeit daheim nehmen könnten?
Fragen, auf die jeder von uns sofort Antworten parat hat: Der Beruf, die Familie, der Alltag und die unzähligen To-do-Listen verhindern es, das wir uns Zeit für das Wichtigste im Leben nehmen. Für uns.

 

Was uns in Bezug auf die Zeit am meisten im Weg steht, ist unsere ureigene Programmierung.

Ein Kind zum Arzt fahren, den (meist teuren) Friseurtermin wahrnehmen, das exklusive Wellnesswochenende, die Businessmeetings einhalten, den Pflichtbesuch bei Verwandten und natürlich immer wieder der Haushalt, das Aufräumen und die Arbeit an sich: alle diesen Themen schenken wir immer wieder alle Zeit der Welt. Weil wir vermeintlich das alles müssen oder es bewusst mit Geld bezahlen. Was für eine Ironie!

Wer rastet der rostet, Müßiggang ist aller Laster Anfang, morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute. So sind wir fast alle groß geworden.

 

„Hast du dir heute schon mal so richtig Zeit für dich genommen?“

oder „Hast du deine Hausaufgaben schon gemacht?“, „Hast du schon die Hemden in die Reinigung gebracht?“, „Kann hier denn keiner aufräumen?“?

Welche Fragen stellst du täglich deinen Lieben? Forderst du sie (und dich) genauso oft auf das Leben zu genießen, wie du sie daran erinnerst, ihre vermeintlichen Pflichten zu übernehmen?

Ich habe das Glück, dass ich einen Partner habe, der, aus welchen Gründen auch immer, auf seine Me-Time, seine Auszeiten nicht nur bedacht ist, sondern mir auch meine gönnt.
Das Problem: ich muss(te) mir das „Zeit-für-mich-nehmen-können“ wirklich erarbeiten. Mittlerweile geht es immer besser. So will ich auch heute den Rest des Tages für die Dinge nutzen, die mir Freude bereiten. Und das heißt neben dem Schreiben dieses Blogs auch mal wirklich gar nichts tun. Das kostet mich immer noch sehr, sehr viel Überwindung. Aber es wird besser. Vielleicht schaffe ich es ja heute, mich auf das Sofa zu setzen, eine Tasse Tee zu trinken und einfach nur zu sein. Ohne aufzuräumen, zu putzen, zu planen oder an meinem Blogbeiträgen zu feilen… Denn immerhin habe ich mir ja auch bereits den halben Tag für einen Zahnarzttermin genommen. Und der kann ja kaum wichtiger sein, als ich selbst.

 

Wann hast du das letzte Mal bewusst nichts gemacht und die Zeit genossen? Hast du Tipps, wie es besser läuft?

 

Ganz kostenfrei und dennoch so wertvoll. Zeit für mich.

 

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